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Mephistos Faust und die Magie der Farben | Fotos |


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Di, 26. Februar 2013 Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung von: Sabine Model

Mephisto erweckt Geister des Mittelalters

Bei "Mephistos Faust und die Magie der Farben" wird in die Welt der Dichter, Denker und Maler vor 400 Jahren eingetaucht

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Die Magie der Farben entzauberte das Outdoor-Theater im Indoor-Event. Foto: Sabine Model

STAUFEN. In der mythischen Fauststadt Staufen geht es immer wieder mal mit dem Teufel zu. Im elften Jahr touren inzwischen Dr. Faust und Mephisto im fliegenden Wechsel durch historische Gassen und Gebäude. Jetzt hat sich das Doppelgespann die "Ateliers Ölmühle" als Bühne für spektakuläre Winterteufeleien auserkoren. Unter dem Titel "Mephistos Faust und die Magie der Farben" gilt es einzutauchen in die Welt der Dichter, Denker und Maler vor 400 Jahren. Die facettenreiche Premiere war teuflisch gut, mitreißend, witzig und informativ.

Das Publikum stolpert ins Atelier. Die Künstlerin Cecilia Kunle optimiert noch die Kulisse: Hausfront mit Tür und Butzenscheiben. Künstlerkollege Wolfgang Traub geht derweil auf Zeitreise in die Anfänge der Renaissance, beschreibt den sozialen und kulturellen Wandel in bunten Farben und Staufen als Sammelbecken namhafter Künstler.

Die Burgherren in der Finanzkrise

Da springt unvermittelt Dr. Faust (Rainer G. Mannich) aus der Kulisse. In Schwarz gehüllt. Gebeugt. Zitternd. Verzweifelt. Er suche die Herren von Staufen, habe eine wichtige Information. Traub entpuppt sich als Maler, dem der Alchimist seinerzeit mit allerlei Pigmenten wundersame Farben generierte. Aber jene Burgherren, die Faust einst als Goldmacher verdingten, sind dahin. Er kann sie nicht mehr aus ihrer Finanzkrise retten. Zu spät. Mit ausholendem Schwung des Umhangs und flinkem Verschwinden der Mütze schlüpft der Zauberer, Wahrsager und Schwarzkünstler Dr. Faust blitzschnell und unversehens in die Figur des blutroten Mephistos. Vor einem Bild der Staufener Burg weckt er die Geister des Mittelalters, malt in den schillerndsten verbalen Tönen Aufstiege und Untergänge einflussreicher Geschlechter, hantiert mit magischen Zahlen, kokettiert mit seinen Zuhörern, erschreckt sie mit der Pest, erheitert mit kurzweiligen Histörchen.

In ständiger Bewegung springt er über Tische und Stühle, droht, schmeichelt und verführt mit verschwenderischen Gesten, meisterhafter Mimik und wohlgesetzten Worten, sucht den spontanen Dialog mit dem Auditorium, das er hineinzieht in magische Welten.

Wie in einem Bann folgt es ihm in das zweite Atelier. Dort agiert Mephisto neben seinem Selbstbildnis, imponiert mit Wissen um Astronomie und Astrologie, Formeln, Funden und Fakten aus dem Leben des Dr. Faust, in den er sich flugs wieder verwandelt. Das Bild, an dem Cecilia Kunle gerade malt, weckt Fausts Interesse. Er entdeckt Zeitgenossen, ärgert sich über sie, lobt sie, erinnert sich an sein Studium in Klosterbüchereien, an Freigeister und Feinde, aber auch schaudernd an den fatalen Pakt mit dem Teufel.

Sein Leben wird gerade authentisch lebendig, da goutiert Mephisto mit höllischem Genuss nochmals das blutig-tragische Ende des Dr. Faust mit verräterischem Schwefelgeruch im "Löwen" und ärgert sich über literarische Verfälschungen durch Goethe. Dessen Farbenlehre ist für Wolfgang Traub indes ein Wunderwerk an Phänomen, die nachweislich bis in die moderne digitale Malerei ihre Gültigkeit behalten haben.

Mephisto kann dem nichts entgegensetzen und muss akzeptieren: Goethe hat doch recht. So lässt sich der teuflische Verführer hinreißen, den Kunstgenuss dieses Events durch eine berühmte Szene aus Goethes Faust abzurunden. Eine geradezu himmlisch ergötzende Theaterprobe und Aufführung, in die das Publikum mit einbezogen wird.

Die Indoor-Version des Outdoor-Theaters erwies sich als ein im besten Sinne zauberhafter Abend, der unterhaltsam-kurzweilig fundierte Informationen vermittelte und von Susanne Dreutler mit Gaumengenüssen kombiniert wurde. Gleichwohl verlangte er den geneigten Gästen mangels Sitzgelegenheiten reichlich Stehvermögen ab. Das soll sich künftig ändern, wenn Mephisto mit den Künstlern weitere malerische Gruppen-Höllentouren anbietet. "Dabei ist uns jede Seele willkommen", grinst der Teufel und streichelt erwartungsvoll seinen Schlangenstock. "Die ersten stehen schon auf der Warteliste."

Die nächste Aufführung von "Mephistos Faust und die Magie der Farben" findet Freitag, 1. März um 20 Uhr in den "Ateliers Ölmühle" statt. Reservierungen unter Telefon 07633/924704, E-Mail: info@mephistotour.de. Internet: http://www.outdoortheater.de

wieder ab 15. April 2017

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